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Zweifache Nostalgie

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 25. Mai 2023
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Aug. 2023

Ich denke immer, ich sei stark und vor allem, ich habe den richtigen Weg eingeschlagen. Doch manchmal, in schwachen Momenten, da kommen Zweifel auf, diese schrecklichen Zweifel, die ich als Vorboten der Nostalgie zu erkenne gelernt habe. Sie ergreift mich, die Nostalgie, zieht mich zu sich und lässt es nicht zu, dass ich mich von ihr befreie.

Zum wiederholten Male spiele ich dann in meinem Kopf die Szenarien durch. Was, wenn ich nicht weggezogen wäre? Wer wäre ich dann, wie würde mein Alltag aussehen? Wäre ich glücklich, oder sogar, ein Gedanke, den ich mir gerne verbieten würde, sogar glücklicher?

In die des vergangenen Lebens mischt sich eine Nostalgie eines Lebens, welches es gar nicht gibt, welches ich nie führen werde. Ich trauere um eine Person, eine fiktive Erscheinung meiner selbst, entsprungen aus meinem malerischen Geist, die nicht existiert und es auch nie wird.

Anstatt in diesen Momenten des Lebens das meine zu feiern, das Leben, welches ich tatsächlich führe, lasse ich mich trauererfüllt in meine Vergangenheit und eine nicht reale, nie meine gewesene Gegenwart gleiten.

Ich weiss, dass ich besser daran täte, den gegenwärtigen Moment, auch wenn ich es nicht schaffe, ihn zu geniessen, doch präsent zu erleben.

„Nichts verdient unsere Empathie so sehr wie die Vergänglichkeit.“, schrieb Thomas Mann. Doch so sehr ich ihm auch zustimme, so stark ich es versuche, in diesen Momenten der Schwäche kann ich nicht anders, im Angesicht dieser zweifachen, schon fast paradoxen Nostalgie, als meine Empathie mit Trauer zu belasten, und sie mir selbst entgegenzubringen.



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