Eine Beobachtung
- Carlito Thormann
- 5. Apr. 2024
- 1 Min. Lesezeit
Blaue Augen, gefüllt mit einem ganzen Leben schauen ins Leere. Über die Jahre hat der Körper sich verändert, die Schwerkraft hat mit seiner Haltung gespielt, doch die breiten Schultern unter dem Tweedjacket sind immer noch dieselben.
Auch die Haare krönen das nun gesenkte Haupt noch, nur ihre Farbe haben sie verloren. Weissgrau, wie der Schnee auf einer vielbefahrenen Strasse umrahmen sie sein von Falten durchpferchten Gesicht.
Durch die grossen rechteckigen Brillengläser sieht man seinen traurigen Blick. In seinem glattrasierten Gesicht lässt sich keine Regung feststellen. Mit der Zeit haben seine Mundwinkel ihre Ausrichtung verändert und zeigen nun stets nach unten.
Er sitzt nur da, die Hände auf seinen dünnen Oberschenkel ruhend, und tut nichts. Seine Lethargie, welcher ich schon bei anderen Menschen in seinem Alter begegnet bin, lassen ihn einsam und verloren erscheinen. Überholt von der Welt und den Generationen nach ihm.
Vielleicht tu ich ihm auch unrecht.
Er steht auf und geht. Seine Bewegungen, sein Gang sind unsicher, sein Körper scheint zerbrechlich.
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