top of page

Immer der Muschel entlang XXIII

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 27. Jan. 2023
  • 2 Min. Lesezeit

26.10.2021

 

Als ich nach einem Frühstück im Hotel nach draussen ging, war die ganze Stadt von Nebel behangen, was den ersten Kilometern des Tages eine fast schon übernatürliche Aura verlieh.

Nach wenigen Stunden machte ich eine neue Bekanntschaft. Ein jüngerer spanischer Mann, der grosse Ähnlichkeiten mit einem Freund von mir besass, machte kurz am Rand eine Pause. Wir kamen ins Gespräch und liefen eine Strecke gemeinsam. Mittlerweile war es etwas wärmer geworden und der Nebel war verschwunden. Wir redeten über Gott und die Welt und die Zeit verging unbemerkt.

Ich muss leider zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wie dieser junge Mann geheissen hat. In meinen Kopf wird er einfach für immer der « Spanische Joël » bleiben.

 

Nach einer Weile trennten wir uns wieder und ich lief weiter in Richtung Lourenzá, wo ich die Nacht verbringen wollte. Gegen halb zwei stand ich dort aber vor einer geschlossenen Herberge. Nach kurzem Überlegen beschloss ich, bis nach Mondoñedo zu laufen. Durch die Kniebandage ging es meinen Knien viel besser, weshalb ich mir diese zusätzlichen acht Kilometer mehr als zutraute.

Von Lourenzá aus ging es steil einen Hügel hinauf. Die höhere Temperatur war durch den dichten Wald nur wenig ein Problem, nur der Hunger zwang mich zu mehreren Pausen.

Nach über zwei Stunden erreichte ich dann schliesslich Mondoñedo. Es war eine kleine Stadt, dessen Zentrum fast unberührt war. In der Mitte befand sich eine grosse Kirche, von der man alle Teile der Stadt erreichen konnte. Man hatte das Gefühl, man sei im Mittelalter und es würden gleich irgendwelche Ritter auf Pferderücken an einem vorbeigehen.

 

Ich fand im Hospedaje Seminario Santa Clara meine Unterkunft. Im Kloster wurden dort mehrere Zimmer für Pilger angeboten. Ein etwas urchiger alter Mann nahm meine Zahlung entgegen und führte mich dann durch unzählige Korridore und Treppen, bevor er mir schliesslich wortlos meinen Zimmerschlüssel übergab und mich dann stehen liess. Ich war einfach nur froh, mein Ziel erreicht zu haben und liess mir gleich ein Bad einlaufen.

Ich ging abends nochmals in die Stadt, um mir eine zweite Kniebandage zu holen. Was die erste mit meiner Leistungsfähigkeit angestellt hatte, hatte mich mehr als überzeugt.

 

Von meinem Zimmer aus hatte ich Ausblick in den grossen Innenhof, in dem ich am späten Abend dann tatsächlich wenige Klosterbrüder entdeckte.

Zufrieden mit den über 32 Kilometern, die ich problemlos hinter mich gebracht hatte, schlief ich ein.

Comments


Beitrag: Blog2_Post

©2022 Schreibblockade

bottom of page