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Immer der Muschel entlang XVII

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 11. Apr. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Dez. 2022


20.10.2021


Nachdem ich mit Javier ein üppiges Frühstück zu mir genommen hatte, trennten sich unsere Wege wieder, da ich mich vor ihm auf den Weg machte.


Der Camino führte mich an diesem Morgen zuerst am Strand entlang, um mich danach über die Klippen laufen zu lassen. Die unglaubliche Aussicht auf das Kantabrische Meer, wieder einmal hoch über dem Wasser, wurde leider vom bedeckten Wetter verdeckt.


Auf diesem Teil der Strecke begegnete ich bekannten Gesichtern. Als erstes überholte ich die zwei jungen Italiener, die ich zuletzt im Abuelo Peuto gesehen hatte. Die beiden freuten sich mich zu sehen, nahmen mich sofort in ihre Arme. Es mag etwas seltsam klingen, aber im Moment hat mir diese Umarmung viel bedeutet. Es war schön, wahre Freude nicht nur zu sehen, sondern auch wieder mal physisch zu spüren. Die Einsamkeit, die im Laufe der Zeit immer mehr Platz in mir einnahm, wurde durch diese Umarmung geschrumpft, was mir heute noch sehr viel wert ist.


Etwas später kam ich dann an Oliver vorbei, mit dem ich in Laredo ein Bier getrunken hatte. Er sass, mit einem jungen Mann, den ich nicht kannte, am Rand des Weges und machte Pause. Ich grüßte die beiden und ging weiter. Ich hatte zugegeben keine grosse Lust, mit ihnen zu laufen und für mich war noch nicht Zeit, um eine Pause einzulegen.


Ich zog also weiter in Richtung Villaviciosa. Nach einem Morgen am Wasser, kam ich in Colunga an, eine kleine Stadt, die ich ohne zu halten durchquerte. Von dort aus ging es auf breiten Feldwegen weiter, die mich durch mehrere kleine Wäldchen führten.


Leider war dies der letzte schöne Stück Weg an diesem Tag. Als ich aus dem letzten Waldstück wanderte, erwartete mich eine längere Strecke auf Asphalt. Über breite Straßen, meistens an oder über der Autobahn entlang, brachte ich die letzten Kilometer bis nach Villaviciosa hinter mir.


Dort angekommen checkte ich in die Albergue ein. Oben im Zimmer, vollgestellt mit Hochbetten und Schließfächern, richtete ich mich ein. Ich erkannte den Rucksack, der beim Bett neben mir lag, sofort wieder. Als ich aus der Dusche kam, kam der Inhaber des Rucksacks gerade ins Zimmer. Es war José, der mich, in seiner überschwänglichen Art, herzlich begrüßte. Wir erzählten uns auf Spanisch, was uns jeweils widerfahren war, seit wir in Pendueles gewesen waren.

Da ich seit dem Frühstück keine richtige Mahlzeit mehr zu mir genommen hatte und es mittlerweile schon vier Uhr Nachmittags war, ging ich mit hungrigem Magen einkaufen, was bekanntlich ein Fehler ist. Im Supermarkt um die Ecke kaufte ich nicht nur Vorräte für die nächsten Tage, sondern gleich auch noch eine Pizza und Süssgebäck. Zurück in der Herberge nahm ich den Ofen in der gemeinsamen Küche in Beschlag und ass wenige Minuten später meine Pizza im Gemeinschaftsraum. Mir gegenüber saß José, der sich Teigwaren gekocht hatte.


Gegen acht Uhr Abends, nach einer etwas längeren Siesta als gewohnt, stand ich auf und stellte fest, dass ich schon wieder Hunger hatte. Ich erinnerte mich daran, auf dem Weg in den Supermarkt an einem Burgerladen entlang gelaufen zu sein. Also schlüpfte ich in meine Flip-Flops und machte mich auf dem Weg dorthin. Das Lokal war völlig leer. Nachdem ich die Karte etwas studiert hatte, nicht ohne einige Wörter übersetzen zu müssen, bestellte ich meinen Burger zum Mitnehmen. Kurz danach saß ich wieder im Gemeinschaftsraum und genoss mein Abendessen.


Nach einem kurzem Gespräch mit einer jungen Französin, wie so oft auf meiner Reise ging es in diesem Gespräch um die Reise selbst, ging ich zeitig ins Bett. Ich wusste, dass die Etappe des nächsten Tages anspruchsvoll werden würde und auf einer Pilgerreise ist jede Stunde guter Schlaf Gold wert.


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