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Immer der Muschel entlang XVI

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 6. Apr. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

19.10.2021


Nach einer langen Nacht, verließ ich kurz nach neun mein Zimmer. Unten, dort wo ich am vorigen Tag eingecheckt hatte, wartete die Dame mit einem unglaublichen Frühstück auf mich. Ich war der einzige Gast, weshalb ich den Tisch im kleinen Raum für mich hatte. Hinter dem Tisch, gemütlich eingerichtet, war eine kleine Küche, in der meine Gastgeberin meinen Kaffee zubereitete. Es war sehr angenehm, ich hatte das Gefühl, ich sei bei jemandem Zuhause, der mir ein wundervolles Frühstück serviert.


Nach diesem gelungenen Start in den Tag machte ich mich auf den Weg. Mein Tagesziel war die private Herberge Tu Casa, die im kleinen Ort Vega de Ribadesella lag. Das Tu Casa gehörte einer Schweizerin und wurde von zwei Gastgebern geführt, aber davon später mehr.


Der Camino war bis Ribadesella, die Stadt, welche vor meinem Ziel lag, sehr gemütlich. Ich lief an diesem Morgen durch ganz viel Grün und die Sonne strahlte mir mit ihrer Wärme ein Lächeln ins Gesicht. Ich begegnete zwar keinen anderen Pilgern, aber dafür kam ich an einer schönen kleinen Bibliothek vorbei, mitten in einem Wald. Es war ein kleines Steinhäuschen, bewachsen mit Efeu, in dem die Bewohner der Gegend ihre Bücher deponierten und andere mitnahmen. Ich fand zwar keine Lektüre, aber ich hatte grossen Spass daran, durch die Bücher zu stöbern.


Am frühen Nachmittag kam ich in Ribadesella an. In der kleinen Stadt am Meer füllte ich meine Vorräte auf, bevor ich mich auf eine Bank am Strand hinsetzte, um Pause zu machen. Ich ass etwas, während mein Hörbuch in meinen Ohren weiterlief und vor mir die Wellen sich über den Sand legten.


Aber ich war noch nicht am Ziel. Eine Stunde wanderte ich noch bis zur Herberge. Ich durchquerte Wiesen, war vor allem auf kleinen Feldwegen unterwegs. Gegen drei Uhr nachmittags kam ich in Vega de Ribadesella an. Am Telefon hatte mich die Gastgeberin informiert, dass die Herberge erst eine halbe Stunde später aufmachen würde. Ich lief also an der Herberge vorbei, in den kleinen Ort hinein, der nur aus einigen kleinen Häuschen bestand. Auf einem kleinen Stück Rasen legte ich mich hin und ließ die nächste halbe Stunde an mir vorbei ziehen.


Im Tu Casa nahm mich die Gastgeberin, eine junge Walliserin, in Empfang. Sie stempelte meinen Pilgerpass und zeigt mir die kleine Herberge, die im Grunde genommen ein privates Wohnhaus war, in dessen Wohnzimmer ein Massenlager eingerichtet worden war. Es war aber kein Massenlager, wie ich sie ihn anderen Herbergen erlebt hatte. Es waren acht richtige Betten aufgestellt, mit Duvets und grossen Kissen. Selbstverständlich machte ich also, nachdem ich mich geduscht hatte, eine lange und genüssliche Siesta.


Als ich, etwas später, auf der Terrasse am Lesen war, kam der zweite Gastgeber, ein junger Deutscher, mit einem zweiten Gast, der mir nicht unbekannt war. Es war Javier. Er und der Gastgeber hatten sich am Strand getroffen, und Javier hatte spontan entschieden, ebenfalls in der Herberge zu übernachten.


Am Abend sassen wir alle vier gemeinsam am Tisch. Die Gastgeberin hatte wunderbar gekocht und wir unterhielten uns, so gut wie es ging, auf Spanisch, Englisch und Französisch. Ich erfuhr, dass Javier die letzte Nacht mit José in einem Doppelzimmer verbracht hatte. Sie hatten sich aber am Strand in Vega de Ribadesella getrennt, da José weiterziehen wollte. Es sollte sich später herausstellen, dass er einen Tag vor mir von Santiago abfliegen würde. Nach viel Wein ging es für mich ins Bett. Selten hatte ich mich so auf ein Bett in einer Herberge gefreut.





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