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Immer der Muschel entlang XV

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 1. März 2022
  • 2 Min. Lesezeit


18.10.2021


Ich hatte keine grosse Lust, mehr Zeit als nötig in der Casa Flor zu verbringen. Vor acht Uhr morgens war ich schon wieder auf dem Weg. Der frühe Aufbruch hatte einen grossen Vorteil. Die Landschaften, durch die mich der Camino führte, waren an sich schon schön, aber gepaart mit dem Sonnenaufgang waren sie geradezu atemberaubend. Umgeben von unglaublichen Farben und friedlich grasenden Schafherden ging das Laufen fast von alleine.


Die ganze Etappe verging reibungslos. Ein großer Teil der Kilometer verbrachte ich, wie am frühen Morgen, auf kleinen Feldwegen, die sich durch Weiden und Wälder schlängelten. Ich sah auf meiner Strecke unzählige Schafe, Ziegen und Pferde.


Kurz vor Naves, meinem Tagesziel, machte ich eine kurze Pause. Ich befand mich auf einer Straße, die sich über einer Bucht befand. Zuerst genoss vor allem die Aussicht, doch dann bemerkte ich Bewegungen im Wasser. In der Bucht schwamm eine ganze Lachsschule hin und her. Fasziniert schaute ich dem Treiben eine Weile zu, bevor ich weiterlief.


Gegen zwei Uhr Nachmittags traf ich im kleinen Dorf Naves ein. Bevor ich im Hotel La Fonte eincheckte, wo ich der einzige Gast für die Nacht sein würde, hörte ich, auf einer Bank sitzend, mein Hörbuch fertig und beobachtete das Treiben der wenigen Einheimischen.


An der Rezeption des kleinen Hotels empfing mich eine nette Dame, die sich ehrlich über meine Reservation zu freuen schien. Mein Zimmer hatte ein großes Doppelbett und eine Badewanne zu bieten, die ich sofort in Anspruch nahm. Das heiße Bad entspannte meine müden Glieder und ich war mit meinem Tag völlig zufrieden.


Nach meiner üblichen Siesta verliess ich das Hotel am Abend, auf der Suche nach einem Abendessen. Leider war das einzige Restaurant des kleinen Ortes geschlossen. Ich musste mich also mit Brot und Käse aus meinem Rucksack als Mahlzeit zufrieden geben.


Es war ein Tag ohne viel Ereignisse gewesen, doch das störte mich nicht gross. Man kann schließlich nicht dreissig Tage am Stück ständig etwas erleben, das wäre überwältigend. Ich bin ein Mensch der manchmal seine Ruhe braucht und diese auch geniesst. So ist es für mich ein leichtes, diesen Tag als einen erfolgreichen zu betrachten, auch jetzt noch, da ich den Verlauf meiner gesamten Reise kenne.


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