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Immer der Muschel entlang XIX

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 17. Dez. 2022
  • 2 Min. Lesezeit

22.10.2021

 

Am nächsten morgen regnete es. Nach einem spärlichen Frühstück in meinem Zimmer packte ich meine Sachen und machte mich regenfest. Wie am Vortag führte mich der Camino erst quer durch Gijón, bevor ich endlich wieder auf etwas anderem als Asphalt weiterwandern konnte.

Es regnete zwar nicht mehr, doch die Sonne zeigte sich nur wenig, als ich durch Wälder und über Felder weiterzog. Das letzte Stück Weg vor Avilès führte über eine Brücke und dann die Promenade dem Fluss entlang.

 

Dort angekommen ging ich ins Tourismusbüro und liess mir meinen Pilgerpass stempeln. Ich fühlte mich etwas kränklich und fing deshalb an, zu recherchieren, ob ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln einen Teil der Strecke, die ich am Tag darauf geplant hatte, bewältigen konnte. Ich fand einen Bus, der mich bis nach Soto de Luñia fahren würde.

Da dieser aber erst in wenigen Stunden losfahren würde, machte ich mich auf die Suche nach einem Restaurant. Unweit vom Busbahnhof wählte ich mir ein kleines Lokal aus und setzte mich an einen Tisch. Mein Kopf pochte und ich hatte das Gefühl, mein Körper sei kurz davor, eine Vollbremse zu ziehen, um mich zur Ruhe zu zwingen. Der Gedanke, später den Bus zu nehmen, beruhigte mich.

 

Im Lokal sassen nur wenige Leute. Auf einem kleinen Fernseher lief irgendeine spanische Gameshow, in der es wohl um Wörter und Buchstaben ging. Mehr konnte ich in meinem Zustand nicht assimilieren.

Ich bekam ein deftiges Menu serviert, wie üblich für einen sehr fairen Pilgerpreis.

 

Der Bus hatte über zwanzig Minuten Verspätung, so dass ich Angst bekam, er würde nicht kommen. Schliesslich stieg ich dann ein. Die Fahrt ging eine knappe Stunde und ich blieb, so gut es ging, achtsam, um meinen Halt ja nicht zu verpassen.

In Soto de Luñia angekommen, begab ich mich als erstes zur Pilgerherberge. Dort stellte ich mit Erstaunen fest, dass mich niemand empfing. Ich musste mich selbst einschreiben und bezog dann ein Bett. Im grossen Saal waren reihenweise Hochbetten mit dünnen Matratzen, doch nur eines davon schien besetzt zu sein.

 

Als ich dann beim Abendessen sass, kam dann doch einer der Verwalter der Herberge. Ich wechselte wenige Worte mit ihm und er warnte mich, dass ich ihm nächsten Hotel besser nur Spanisch reden sollte. Was er damit meinte verstand ich erst am nächsten Tag.

Von meinem Zimmergenossen bekam ich nur wenig mit und durch meinen kränklichen Zustand schlief ich auch sehr schnell ein.

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