Immer der Muschel entlang XIV
- Carlito Thormann
- 18. Feb. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Apr. 2022
17.10.2021
Nach einem kleinen Frühstück in der Herberge ging es für mich kurz nach sieben Uhr weiter. Mit montierter Taschenlampe marschierte ich guter Dinge aus der Herberge. Innerhalb der nächsten halben Stunde verlor ich zweimal den Weg, bis ich dann endlich den Camino und dann aus San Vicente hinaus fand.
Ich durchquerte unglaublich schöne Landschaften, sowohl am Meer als auch in grünen Hügeln und Wäldern. Als ich knappe 16 Kilometer später in der kleinen Stadt Unqueras angekommen war, machte ich kurz auf einer Bank eine Pause und ass einen Apfel. Ich befand mich kurz vor dem Übergang zwischen Kantabrien und Asturien. Doch vor dieser Grenze wartete noch ein sehr steiler Anstieg auf mich.
Dieser gestaltete sich zwar physisch anstrengend, aber auch hier waren Aussicht und Umgebung die Anstrengungen wert. Unter anderem kam ich an einem Seilpark vorbei. Den ersten Ort, den ich in Asturien zu sehen bekam, war ein kleines Dorf mit Namen Colombres. Es war ein wunderschönes Dorf, voll mit kleinen gepflasterten Straßen, Palmen und alten Häusern aus Backsteinen.
Nach Colombres ging es die letzten Kilometer bis nach Pendueles, wo sich die Albergue Casa Flor befand, alles nur der Strasse entlang. Einen grossen Teil davon, speziell die Strecke gerade vor der Herberge, musste ich wieder auf der Straße laufen, da es kein Trottoir gab. Die letzte Stunde lief ich im Autopilot Modus. So nenne ich den Zustand, in welchem ich mich nur noch auf die Musik in meinen Ohren konzentriere und durch die Schmerzen und die Erschöpfung bis zum Ziel ziehe.
Kurz nach ein Uhr Nachmittags kam ich in der Albergue Casa Flor an. Diese war ein Stock über dem gleichnamigen mexikanischen Restaurant. Ich erkundigte mich nach der Herberge und man erklärte mir, diese sei noch geschlossen. Das war für mich zwar etwas frustrierend, denn ich hätte gerne geduscht, aber ich machte das Beste daraus und bestellte einen Eistee. An einem Tisch an der Sonne las ich und ass die Tapas, die ich zu meinem Getränk gratis dazu bekommen hatte.
Eine halbe Stunde später kam der Kellner und sagte, ich könne bei ihm einchecken. Ein Angebot welches ich sofort annahm. Für 15 Euro bekam ich die schlechteste Herberge zu sehen, die ich während meiner ganzen Reise angetroffen habe. Es gab genau eine Dusche und ein Klo, welches sich alle teilen mussten. Besonders sauber war dieses winzige Badezimmer ebenfalls nicht. An fast jeder Wand waren Warnschilder angebracht. Es war beispielsweise strikt verboten, seine Kleider von Hand zu waschen. Das war das erste Indiz dafür, dass der Inhaber die Herberge nur des Geldes wegen betrieb. In meinem kleinen Bett entdeckte ich dann, dass das Wlan nur ganz knapp bis in die Zimmer reichte.
Etwas später begegnete ich besagtem Inhaber. Er fragte mich darüber aus, wie viele Pilger wohl noch kommen würden. Alles in allem war er ein älterer Mann, der sehr unsympathisch auf mich wirkte. Dann bestand er fast darauf, dass ich am Abend unten im Lokal essen gehen solle. Wieder wurde offensichtlich, wie geldgierig er war.
Aber es gab so gut wie keine andere Möglichkeit, als am Abend tatsächlich mexikanisch zu essen. Die Herberge hatte keine Küche und im Umkreis befanden sich keine anderen Lokale oder Supermärkte. Pendueles, so hiess der Ort, war nur sehr klein.
Also nahm ich im Restaurant einen Tisch, an dem später Javier und José dazu kamen. Beide waren wenige Stunden nach mir im Casa Flor eingetroffen. Das Essen war nicht schlecht, aber auch nicht gerade ein kulinarisches Highlight. Ich war als Erster fertig und zahlte, die beiden anderen blieben noch eine Weile. Später erfuhr ich, dass der Kellner zu viel Geld von Javier verlangt hatte, der seine Bestellung wegen mangelnder Ware hatte ändern müssen. Das erklärte, warum er nicht gerade zufrieden ins Zimmer kam. Es hat wohl keiner von den Pilgern die an diesem Tag dort waren, eine gute Erinnerung an diesen Ort. Glücklicherweise blieb für mich dieser Abend die einzige Erfahrung dieser Art.
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