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Immer der Muschel entlang XI

  • Autorenbild: Carlito Thormann
    Carlito Thormann
  • 10. Feb. 2022
  • 2 Min. Lesezeit


14.10.2021


Das Frühstück nahmen alle gemeinsam am großen Esstisch ein, an dem wir am Abend zuvor gegessen und Wein getrunken hatten. Ernesto erklärte mir den Weg bis nach Santander und gab mir eine Karte. Zum Glück hatte ich ihn gefragt, denn sonst hätte ich die Variante an der Küste entlang verpasst.


Nachdem ich drei Kilometer auf Asphalt hinter mich gebracht hatte, erreichte ich endlich den schönen Teil der Etappe. Ungefähr 50 Meter über dem Meer lief ich an der Klippe entlang. Das schöne Wetter und das Hörbuch in meinen Ohren machten diese Strecke sehr angenehm. Begleitet von Konrad Lang, einer der ersten Figuren welche Martin Suter ins Leben geschrieben hat, genoss ich die Aussicht.


Bis nach Somo folgte ich den Klippen. Kurz vor der kleinen Stadt ging der Camino wieder bis zum Meeresspiegel hinunter und folgte einem langen Strand. In meiner guten Laune hielt ich alle paar Meter an, um Muscheln aus dem Sand zu graben. Ich schlängelte mich durch Surfer und andere Spaziergänger, bis ich in Somo im kleinen Hafen ankam. Von dort würde ich mit einer grösseren Fähre nach Santander fahren, die Hauptstadt von Kantabrien.

Kurz vor Mittag stand ich dann in der grossen Stadt und war erstmal kurz orientierungslos. Es ist allgemein so, dass man als Pilger den Weg viel schneller in den urbanen Teilen des Camino verliert als wenn man in Wäldern oder der Küste entlang unterwegs ist. Ich beschloss, erstmal eine Pause einzulegen. Ich ging tiefer in die Stadt hinein und fand irgendwann einen kleinen Supermarkt, in welchem ich meine Vorräte aufstockte und ein Mittagessen holte. Auf einer Bank sitzend überlegte ich dann, bis wohin ich an diesem Tag gehen wollte. Falls ich beschloss in Santander zu übernachten, würde mich am Tag darauf eine happige Strecke von über 35 Kilometern erwarten, worauf ich nun wirklich wenig Lust hatte. Deshalb begann ich, in verschiedenen Hotels und Herbergen anzurufen, die nicht zu weit von Santander lagen. Nach mehreren Misserfolgen ergatterte ich ein Zimmer in einer kleinen Ortschaft namens Santa Cruz de Bezama. Diese Entscheidung bedeutete acht weitere Kilometer.


Nach mehreren Minuten und der Hilfe eines Busfahrers fand ich dann auch die Muscheln wieder, die in den Städten meist auf dem Boden angebracht waren. Ich verliess Santander und es folgte eine längere Strecke über Gehsteige und betonierten Quartierstrassen. Die letzten Stunden waren nicht gerade sehr spannend. Auf der Strecke war nichts bemerkenswertes zu sehen und meine Beine hatten langsam genug von der harten Unterlage.


Um zu meinem Hotel zu gelangen musste ich den Camino einen knappen Kilometer verlassen. Es befand sich an einer Hauptstrasse, gleich neben einem Kreisel. An der Rezeption bekam ich meinen Schlüssel und ich fuhr mit dem Lift in den zweiten Stock. Während meines ganzen Aufenthaltes sah ich keinen anderen Gast. Als ich dann über den Zimmerservice eine Pizza bestellte, schien der Rezeptionist ganz froh zu sein, etwas zu tun zu haben, dass ich mir fast sicher war, dass ich für die Nacht der einzige Gast war.


Erschöpft ass ich auf meinem Hotelbett und genoss die Stille. Danach nutzte ich das beste Feature meines Zimmers aus: Im Badezimmer war eine Badewanne. Das heiße Wasser besänftigte die Schmerzen in meinen Knien und Füssen und dessen Wärme begleitete mich bis in meinen Schlaf.




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