Immer der Muschel entlang VI
- Carlito Thormann
- 21. Jan. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Dez. 2022
Ein Ruhetag vom Feinsten!
09.10.2021
Die ersten Morgenstunden, ich war ziemlich früh aufgewacht, verbrachte ich in meiner Kapsel und nutzte Amazon Prime völlig aus. Ich hatte keine Lust, schon um sieben wieder auf den Beinen zu sein. Schließlich hatte ich ja den ganzen Tag Zeit.
Ich lief dann erstmal ziellos in den Straßen umher, auf der Suche nach einem Ort um gemütlich zu frühstücken. Nach einer Weile entschied ich mich für ein kleines Bistro, wo ich einen Kaffee und eine kleine Pizza bestellte.
Auf meinem Weg in die Altstadt ging ich nochmal ins Tourismusbüro der Stadt, um mir meinen Etappenstempel zu holen. Dort bekam ich auch eine Karte der Stadt, anhand welcher ich dann, mehr oder weniger ohne mich zu verlaufen, bis zur Altstadt fand.
Dort angekommen merkte ich, das mir langsam etwas kalt um die Beine geworden war. Ich hatte eine Shorts an, die einzige andere Hose die ich für meine Reise eingepackt hatte. Dazu hatte ich wieder nur meine Flip Flops an den Füssen. Als ich dann an einem Sportladen vorbeikam, suchte ich dort spontan nach einer langen bequemen Hose. Ohne weiteres fand ich eine Trainerhose, die ich, ohne lange zu überlegen, kaufte. Der Verkäufer fragte mich, ob ich eine Tasche haben wolle, was ich verneinte. Etwas verdutzt gab er mir die Hose. Seine Verwirrung stieg nochmal, als ich die Hose einfach über meine Shorts anzog. Ich verabschiedete mich und ging hinaus. Der Verkäufer schaute mir nur verwundert nach. ,,Komische Gestalten, diese Pilger”, hatte er wohl gedacht. So stelle ich es mir jedenfalls vor.
Mit bekleidetem Beinen erkundete ich dann die Altstadt. Kleine Gässchen schlängelten sich zwischen die wunderschönen Häuser und Sehenswürdigkeiten. Als ich genug gesehen hatte, steuerte ich meinen nächsten Tagespunkt an: Das Guggenheim.
Im Museum fing ich mir dann auch etwas schräge Blicke ein. Verständlich, denn wer geht schon in Wandersachen und Flip Flops in ein kulturellen Ort. Das hätte mir aber nicht gleichgültiger sein können. Ich fühlte mich wohl und es kannte mich ja sowieso niemand dort.
Die Ausstellungen zogen mich völlig in ihren Bann. Die aktuelle Ausstellung behandelte das Leben und das Werk der Alice Neel, ein US-amerikanische Malerin. Ihre Porträts von Müttern und von Menschen aus den ärmeren Quartieren New Yorks haben es mir besonders angetan. Ihre Kunst erschien mir so real, so lebensnah, dass ich das Gefühl hatte, ihre Bilder hätten etwas zutiefst menschliches.
Ein weiterer Künstler, dessen Werke zur Dauerausstellung des Guggenheim gehören, hat mir an diesem Tag besonders Eindruck gemacht. Es handelt sich um Anselm Kiefer, ein Deutscher Künstler. Seine Werke in unglaublichen Dimensionen machten mir vor allem durch die Emotionen Eindruck, die diese mir vermittelten. Eines seiner Bilder, ein sehr grosses Bild eines Mannes, der auf einem kargen Boden liegt, weckte in mir unglaubliche Verzweiflung und Trauer, so dass ich mich vom Bild abwenden musste.
Nach meinem Museumsbesuch setzte ich mich in ein Restaurant um die Ecke und ass dort unglaublich gute Empanadas, bevor ich den Rückweg zum Hotel antrat. Auf dem Weg hielt ich in einem italienischen Feinkostladen, in welchem man hausgemachte Lasagne erwerben konnte. Zur Lasagne gesellten sich, nach einem Abstecher in einer Fruteria, noch Kiwis und Orangen.
Ich kehrte, nachdem ich die Kiwis verspeist hatte, zurück in meine Kapsel. Mein Körper brauchte noch mehr Ruhe. Ich hätte noch viel in der Stadt machen können, aber ich war ganz zufrieden und wollte für den folgenden Tag wieder marschbereit sein. Später ging ich dann nochmals in die gemeinsame Küche und machte mir meine Lasagne im Ofen. Den Abend verbrachte ich wieder mit spanischen Komödien. Alles in allem war es ein gelungener Tag der Erholung geworden.
Comments