Park
- Carlito Thormann
- 11. Okt. 2023
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt. 2023
Es ist ein warmer Tag, Anfang Herbst. Ein einfacher Tisch aus Holzlatten. Vor ihm liegt sein Notizbuch. Er hatte den ganzen Nachmittag schreiben wollen. Sich ausschreiben, das wollte er. Alles aufs Papier bringen, alles aus ihm selbst auf das Papier übertragen, die Last von sich weisen.
Doch nun sitzt er hier und auf dem Papier steht nichts. Es ist noch keine Tinte geflossen, er trägt alle Last noch auf sich. All seine Gedanken, all seine dumpfen und doch lauten Gefühle, das alles kriecht, springt und rennt in ihm herum, so dass es nur noch selten ruht.
Er schaut sich um. Im Park ist um diese Zeit kaum jemand. Nur wenige Museumsbesucher kommen ab und zu vorbei, halten kurz an und machen Fotos mit den Statuen. Sie schaut ihnen dabei zu, wie sie mit ausgestrecktem Arm versuchen, ihre lächelnden Gesichter und die Statue gemeinsam ins Bild zu bekommen. Sie sehen albern aus. Albern, aber glücklich. Er hört wenige Vögel zwitschern und das plätschernde Wasser im Brunnen weiter vorn. Er lässt sie auf sich einwirken.
Obwohl er es nicht schafft zu schreiben, fühlt sich der Moment gut an. Er ruht in sich, ohne dass er nur auf sein Inneres achten muss. Seine Last fühlt sich jetzt nicht mehr so schwer an wie vorher. Genau jetzt, genau hier, an diesem Tisch, geht es ihm gut.
Er spürt in ihm, dass sich neue Gefühle und Gedanken zu seinen alten gesellen. Zuversicht und Hoffnung nehmen immer mehr Platz ein. Es fühlt sich an, als würde er zwei altverlorene Freunde wiedersehen. Unbewusst richtet er sich wieder auf. Es ist so weit: Er kann wieder schreiben. In einem Strich bringt er seine Sorgen auf das Notizbuch vor ihm, säubert seinen Kopf von seinen Zweifeln. Wie schwarze Wolken ziehen sie aus seinem Kopf zurück in die Welt, und offenbaren den blauen Himmel, den sie versteckten. Er legt den Stift ab. Er fühlt sich zuversichtlich. Nun ist er sich sicher: Es wird gut. Er muss fast Lachen über einen solch simplen Gedanken. Doch es ist der wichtigste, den er haben kann.

Comments